Aus der Schreibwerkstatt mit Tania Witte – Teil 6

Ich wache auf. Mein letzter Traum im Hinterkopf. Ich hatte von meiner Mutter geträumt, ein sehr außergewöhnlicher Traum. Sie hatte mich im Arm gehalten als wäre ich noch ein Baby. Dann öffnete ich meine Augen. Warte, hatte ich sie wirklich geöffnet oder war ich doch noch gefangen in dem spannenden Traum, in dem  meine Mutter mir nun den Schnuller in den Mund steckte. Ich schrie, ich schrie mir die Seele aus dem Leib, mehr als das. Aber auch das änderte meine Aussicht nicht. Vor mir immer noch schwarz. Bis zu diesem Augenblick, hatte ich gedacht meine größte Angst wären Spinnen. Ich glaube aber ich lag falsch, Dunkelheit ist um einiges schlimmer. Aber war das nun alles nur ein Traum oder war das Ich. Langsam spürte ich wie die Schweißperlen auf meiner Stirn hinunterliefen. Da ich aber wusste, dass ein weiterer Aufschrei nichts bringen würde, fing ich an mich zu sammeln. Das funktionierte so mehr oder weniger. Dann tastete ich mich langsam vor, beziehungsweise suchte  ich erstmal meine Hände, um dann meinen Körper entlangzufahren. Das war wirklich ich, Oliver, 19 Jahre alt und ein kleiner Schisser. Zu aller erst fasste ich mir an den Kopf. Da die erste Überraschung, meine Kappe war weg. Das kalte Gefühl der Schnalle und der leichte Druck der meinen Kopf sonst immer umfasste, fehlte. Dann plötzlich das Vogelzwitschern meines Handys, meine Mutter. Sie hob ab und im nächsten Moment hörte man einen lauten Aufschrei „Was, nur noch drei Tage“. Ihr starrer Blick auf den bunten Balkon, von dem man das brummen der stehenden Autos hören konnte, versprach nichts Gutes. Dennoch schien ihr dieser Anblick nicht weiterzuhelfen. Nach einer langen Redepause legte sie einfach auf. Sie fasste mit ihren zitternden Händen nach ihrem Kaffee, der bei dieser Vibration nicht lange in der Tasse blieb und über ihre frisch lackierten Nägel lief. „Scheiße“. Das beschrieb nicht nur ihre aktuelle Lage ihrer Hand, auch ihre innerliche traf das gut. Sie trabte ihr kleines, schmales Arbeitszimmer hoch und runter, überlegte o sie doch noch einmal anrufen sollte. Sie tat es nicht. Sie lief auf ihren Balkon, machte die Tür auf und ließ sich verzweifelt auf ihren luxuriösen Balkonstuhl fallen. Hektisch griff sie nach ihrer Marlboro-Packung auf dem steinernen Tisch vor ihr. Dabei fiel ihr das Feuerwehrauto auf, welches auf dem unscheinbaren Regal am hintersten Ende des Balkons befand. Geschockt ließ sie die Marlboro-Schachtel fallen und lief zu dem kleinen Regal.  „Das ist für deine erste eigene Wohnung, ich hoffe ich bleibe so in deinem Gedächtnis“, flüsterte sie und langsam liefen ihr die ersten Tränen über ihre pausigen Wangen. „ nur noch drei Tage“. Sie nahm das Feuerwehrauto und schloss es in ihre Arme.

Julika

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